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Presse | Ex-Bomberpilot errichtete Kreuz für tote Kameraden

Kölner Stadtanzeiger vom 26.04.1993, Nummer 96
von Andreas Schmidt

Beim Anflug auf Ahrweiler kamen die deutschen Jäger - 39 Jahre später im Schmidtheimer Forst

Schmidtheimer Forst.

Als er am 23. Dezember 1944, einen Tag vor Heiligabend, über der Eifel von deutschen Jagdfliegern abgeschossen wurde, war er 23 Jahre alt geworden und hatte gerade seine Pilotenausbildung beendet Am Samstag, fast 39 Jahre danach, besuchte er zum ersten Mal die Stelle, an der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges seine B-26 Marauder in den Schmidtheimer Forst stürzte.

Paul Matus aus Ohio/USA, damals Pilot des Bombers mit dem Kennzeichen 4 L M der 391. Bomb Group, konnte sich durch den Fahrwerksschacht retten. Nur kurz, nachdem er seinen Fallschirm geöffnet hatte, landete er auch schon im Schnee.

Er kann sich noch ganz genau an einzelne Details erinnern: „Es müssen etwa 1000 Fuß Höhe gewesen sein, denn ich schaukelte einmal hin und her und da hatte ich auch schon Boden unter den Füßen“, lässt er die wohl dramatischsten Sekunden seines Lebens noch einmal an sich vorbeiziehen: „Ich lag noch etwas benommen im Schnee, weil mich das Fahrwerk am Kopf getroffen hatte. Zunächst sah ich dann einige Lkw und dachte, ich sei in Belgien gelandet und in Sicherheit, doch dann kamen deutsche Soldaten auf mich zu. Ich ließ noch schnell meine Pistole im Schnee verschwinden.“

Der Auftrag: Eisenbahnbrücke in Ahrweiler zerstören

Er kam in deutsche Kriegsgefangenschaft zunächst nach Bonn und dann nach Norddeutschland, wo er gegen Ende des Krieges von den Russen befreit wurde.

Gestartet war Paul Matus mit seiner Crew und der zweimotorigen Maschine vom französischen Roye Amy. Sein Auftrag lautete, in einem Verband über St. Vith und die Eifel nach Ahrweiler zu fliegen und dort eine Eisenbahnbrücke zu zerstören. In einem zweiten Anflug wurde sein Verband von deutschen Jägern entdeckt und in einen Luftkampf verwickelt 17 von 32 Maschinen wurden abgeschossen, darunter die hinten links fliegende B-26 Marauder von Paul Matus. Sein rechtes Triebwerk geriet in Brand, einige seiner Kameraden retteten sich durch die Bombenschächte, doch zwei von ihnen schafften es nicht mehr. Senior Sergeant Paul Ralmonde und Technical Sergeant William Swanson starben in den Trümmern der Maschine.

Holzkreuz aus alten Fachwerkbalken gebaut

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Zum Gedenken an die beiden Soldaten errichteten Axel Paul aus Oberschömbach von der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte, Paul Matus und Robert Mynn aus Suffolk/England, Historiker, der sich speziell mit der Geschichte des Luftkriegs beschäftigt, an der Absturzstelle im Schmidtheimer Forst ein Holzkreuz. Gottfried Franz, der Schwiegervater von Axel Paul, fertigte es aus den Balken eines alten Fachwerkhauses und versah es mit einer Plakette, auf der die Namen der Gefallenen vermerkt sind. Es soll dies eine Geste der Versöhnung und Verständigung mit den Amerikanern sein.

Gottfried Franz hierzu:
„Dies ist eine Woche Vergangenheitsbewältigung.“

Paul Matus, der noch eine Woche zu Gast in Blankenheimerdorf ist, will die Gräber der beiden Kameraden in Belgien besuchen und auch einen Abstecher nach Ahrweiler machen.



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