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Presse | „Trauriger Sack“ bei Scheuren abgestürzt

Kölner Stadt-Anzeiger vom 07.04.2000, Nummer 83 (SES13)
von Franz Albert Heinen

Bordschütze fiel aus den Fallschirmgurten

Eifel - Mal ist es „Kommissar Zufall“, mal sind es kriminalistisch anmutende Recherchen, die der „Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte“ bei der Aufklärung von Fliegerschicksalen aus dem Zweiten Weltkrieg helfen. Manchmal trägt auch ein Aufruf in der Presse zu entscheidenden Tipps bei. So geschehen jetzt beim Absturz eines zweimotorigen amerikanischen Bombers in der Nähe von Scheuren bei Schleiden.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte für die Luftkriegsforscher eigentlich um Hinweise zum Absturz eines viermotorigen Bombers bei Berescheid gebeten. Darauf meldeten sich tatsächlich Zeitzeugen die Angaben dazu machten. Bei der Gelegenheit wies ein Berescheider allerdings auch auf einen Absturz in der Nähe von Scheuren hin. Er zeigte den Männern von der Arbeitsgemeinschaft die angebliche Absturzstelle aber dort fanden sich keinerlei Hinweise im Boden. Daraufhin recherchierte der Berescheider selbst noch einmal in seinem Bekanntenkreis und fand tatsächlich einen anderen Zeugen, der den Absturz mit eigenen Augen gesehen hatte. Demnach war die zweimotorige Maschine nur knapp über Scheuren geflogen, bevor sie neben dem Ort aufschlug.



So sah die Maschine aus, die bei Scheueren nach
Flak-Beschuss abstürzte.
Es handelte sich um einen leichten
Bomber vom Typ A 20 „Havoc“

Mit großer Wucht

„Auf den Meter genau“, so Axel Paul von der Arbeitsgemeinschaft, „zeigte er uns die richtige Stelle. Wir fanden sofort Wrackteile, mit denen wir den Flugzeugtyp zuordnen konnten.“ Der ganze Acker sei bis auf den heutigen Tag übersät mit kleinen Trümmern, was darauf hindeute, dass die Maschine mit großer Wucht abgestürzt sei. Der Zeuge hatte berichtet, dass er an der Absturzstelle Leichenteile gesehen hatte.

Inzwischen hat die AG den Absturz aufgeklärt. Es handelte sich um einen zweimotorigen Bomber vom Typ A20 „Havoc“, der zur „644. Bomb Squadron“ gehörte, die im Herbst 1944 in Coulommier in Frankreich stationiert war. Am 28. Oktober hatte die Einheit den Auftrag, Ziele bei Ahrweiler zu bombardieren. Axel Paul vermutet, dass die Ahrbrücken zerstört werden sollten.

Dichter Qualm

Mehrere amerikanische Zeugen, Piloten anderer Maschinen, gaben später zu Protokoll, was sie vom Absturz der A20 gesehen hatten. „After leaving Flak-Concentrations “, als die Maschinen beim Rückflug den deutschen Flugabwehr-Riegel bereits hinter sich hatten, sei der kleine Bomber mit dem Spitznamen „Sad Sack“ („Trauriger Sack“) zurückgefallen. Aus dem rechten Motor drang dichter Qualm. Zwei Mann sprangen mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug, während der Pilot, der Lieutenant Frank Braistedt die Maschine nicht verließ. Vielleicht war er verletzt, vielleicht auch durch Flak­ Beschuss getötet worden. Wenig später neigte sich der Bomber über die rechte Tragfläche in den Sturzflug und explodierte beim Aufschlag. Da die A 20 den Deutschen damals noch nicht vertraut war, nahmen sie irrtümlich an, dass es sich bei der explodierten Maschine um eine P - 38 „Lightning“ gehandelt hatte.

Falsch angelegt

Von den beiden Bordschützen die die abstürzende Maschine mit dem Fallschirm verlassen hatten, überlebte nur einer: der Sergeant John Deuitch. Er geriet nach der Landung in deutsche Gefangenschaft. Der zweite Schütze, Sergeant Bemhard M. Craig fiel beim Sprung aus den Fallschirmgurten. Der Amerikaner verwendete ausnahmsweise einen britischen Fallschirm, den er offensichtlich falsch angelegt hatte.



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